Die Rauhnächte- die Zeit zwischen den Jahren

Wir befinden uns mitten in den Rauhnächten. Am 21. Dezember hat die Sonne ihren tiefsten Stand erreicht und damit die Dunkelheit besiegt. Die Tage werden wieder länger und das Licht kehrt allmählich zurück.

Die Zeit zwischen den Jahren ist eine ganz besondere, sehr sensible Zeit. Es scheint ein wenig so, dass in dieser Zeit die Zeit still steht. Eine wundervolle Gelegenheit inne zu halten, das Jahr Revue passieren zu lassen und vorauszuschauen. Ein heidnischer Brauch verbietet in den zwölf heiligen Nächten Wäsche zu waschen, zu spinnen und zu putzen. Es ist nicht die Zeit für solche Tätigkeiten. Die Zeit zwischen den Jahren ist eine geschenkte Zeit. Einmal den ganzen Tag lang nur das tun, was Dich glücklich macht. Nehme Dir Zeit für deine Wünsche, deine Visionen und begegne Dir in tiefer Ehrlichkeit. Beobachte die magische Farbpracht der späten Sonnenaufgänge. Atme die klare Luft und Stille des Winters ein.

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Während der zwölf Rauhnächte, die Zeit zwischen dem Sonnen- und Mondjahr, gehen besondere Mächte umher. Die wilde Jagt der Perchta zieht übers Land. Frau Holle, unsere Erdmutter erscheint uns nun als Perchta, der Göttin der Zwischenräume, der Übergänge vom Alten zum Neuen. Das ist die Essenz der Zeit zwischen den Jahren.

Was darf gehen, was darf kommen? Nehme dir die Zeit, dich mit deinem Inneren zu verbinden und ganz bewusst Klarheit über deine eigene Berufung zu erlangen. Warum bist du hier? Was ist deine metaphysische Aufgabe?

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Ich möchte dich einladen ganz bewusst die Dunkelheit und die Zeit der Stille wahrzunehmen und vor allem zu genießen. Wir befinden uns mitten im Winter. Lasse Dich von der Sonne inspirieren und ruhe Dich aus. Nutze die Qualität der Dunkelheit und genieße ihre Geborgenheit und die Qualität des Rückzugs. Gib allem was du fühlst und ahnst eine Bedeutung, auch Deinen Träumen. Spüre die Kräfte in Dir und um Dich herum. Lese die Zeichen. Die Perchta kommt und beseitigt manchmal sehr schnell, was nicht zu Dir gehört. Oder sie schenkt Dir wichtige Einsichten. Öffne Dein Herz. Mache dich bereit für die neue Umdrehung des Jahresrads und lasse los, von all dem was dich hindert in Deine Essenz zu kommen. Bitten wir um Wohlwollen, Heilung und kollektive Bewusstwerdung für das kommende Jahr.

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Unsere größten Erlebnisse sind nicht die lautesten, sondern unsere stillsten Stunden.

Jean Paul, deutscher Schriftsteller (1763-1825)

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Die Rauhnachts-Zeit war und ist die Hoch-Zeit des Räucherns. Auch heute noch werden Häuser und Menschen mit dem Rauch gereinigt, es wird über die Zukunft orakelt und um Schutz gebeten. Gerade in dieser Zeit ist das Räuchern besonders schutzmagisch. Es bietet aber nicht nur Schutz, die wohltuenden Kräfte der Pflanzen sind Balsam für unsere Seelen. Durch das Räuchern werden die Wirkstoffe der getrockneten Pflanzen vom Pflanzenkörper gelöst. Mit der Kraft des Feuers kann die Transformation geschehen und die Wirkstoffe können nun in gelöster Form ihre Kräfte entfalten. Ich möchte Dich einladen ein ganz persönliches Räucher-Ritual zu zelebrieren. Auf zwei wesentliche Faktoren kommt es dabei an: Auf die Kraft der Pflanze und über die Klarheit Deiner Absicht. Nehme Dir Zeit und schenke dem Rauch bewusste Aufmerksamkeit.

Unsere Vorfahrinnen räucherten gerne mit Engelwurz, Holunderblüten, Eschensamen zum Reinigen und Schützen, mit der magischen Alraunenwurzel, mit den bewusstseinsverändernden Bilsenkrautsamen, mit Lorbeer zum Orakeln sowie mit Myrrhe und Weihrauch. Lange bevor die Kirche das Brauchtum des Räucherns an sich gerissen hat, wurde sehr viel Wert darauf gelegt, Myrrhe und Weihrauch immer gemeinsam zu räuchern. Myrrhe steht für das weibliche und Weihrauch für das männliche Prinzip. Gemeinsam werden beide Kräfte symbiotisch vereint.

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Doch lange bevor Weihrauch und Myrrhe in unseren Breitenkreisen bekannt wurde, wurden für heilige Räucher-Rituale heimischen Pflanzen verwendet. Unsere heimische Flora bietet eine Vielzahl wohlriechender Harze wie beispielsweise Lärchen-, Kiefern- oder Fichtenharz. Auch Kräuter, Wurzeln und Samen können wundervoll geräuchert werden. Es lohnt sich unsere immergrünen Pflanzen bei einem ausgiebigen Spaziergang im Wald näher zu betrachten. Die immergrünen Pflanzen stehen für das ewigen Leben. In ihnen lebt der Lebensfunke der Sonne, des Lichtes fort.

Mehr über die Heilwirkungen über die immergrünen Pflanzen erfährst Du im nächsten Blogeintrag.

Ich räuchere in diesen Tagen sehr gerne mit der schutzmagischen Engelwurz. Ich kann mich noch genau entsinnen, wie sie mir in ihrer Erscheinung im Sommer in den Kärntner Bergen begegnet ist. Ein ganz wundervoller Pflanzengeist, dem ich da begegnet bin.

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Hier ein traditionelles Rezept zum Räuchern mit heimischen Kräutern und Harzen:

• Engelwurzsamen 1 Teelöffel
• Bartflechte 2 Teelöffel
• Fichtennadeln 1 Teelöffel
• Immergrünblätter 1 Teelöffel
• Kiefernsprossen 2 Teelöffel
• Kiefernharz 1 Esslöffel
• Mistelkraut 1 Teelöffel
• Wacholderbeeren und -nadeln je 1 Esslöffel
• Tannennadeln 2 Teelöffel

(Rezept nach O. Rippe)

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Und zu guter Letzt noch ein gesundheitlicher Tipp:

Stärke Dein Immunsystem mit natürlichem Licht. Gerade jetzt sind die täglichen Lichtstunden gezählt. Doch Tageslicht und frische Luft macht nicht nur fit und glücklich, Tageslicht und frische Luft schützen uns vor Krankheiten. Tageslicht sorgt für die körpereigene Vitamin-D Produktion, auch an einem bewölkten Tag liefert uns der Himmel 20-mal mehr Lichtenergie, als bei normaler Zimmerbeleuchtung. Eine halbe Stunde pro Tag genügt schon, um unsere Schleimhäute mit feuchter, kalter Winterluft zu verwöhnen. Je trockener sie werden, desto anfälliger werden sie für Viren und Bakterien. Atme schön, atme tief die frische, klare Luft. Du wirst dich wunderbar lebendig und frisch fühlen.

Lausche dem Wind, genieße die Frische der Kälte. Inmitten von Eis und Schnee werden wir so ruhig wie die Winterlandschaft selbst. Am Abend die Füße in ein wohlig warmes Fußbad tauchen, mit ein wenig Lavendel verfeinern (ein paar Tropfen ätherisches Lavendel-Öl in Kokosnussmilch auflösen und dem Wasser zufügen) und entspannen.

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Marissa Cosma Vitelli